Mensch sein
Keine Fäuste mehr haben
Hände
endlich Hände
um Hände zu halten
Mensch sein
einen Mund haben
nicht mehr anschreien
anreden
Mensch sein
Augen haben
nicht mehr anstarren
anlachen
Mensch sein
Mensch sein
Keine Gesetze mehr haben
um zu verurteilen
auch nicht verzeihen
verstehen
und so sein lassen
Mensch sein lassen
Mensch sein
Es versuchen
Es endlich versuchen
Es immer wieder versuchen
Mensch sein
Splitter 3
Trennung
Wer hat gesiegt?
Du nicht
Ich nicht
Nur die Trennung
Als du noch weinen konntest
war Nähe zwischen uns
nichts sonst
Als du noch weinen konntest
warst du mir lieber
war Liebe
Das Fenster ist zu
Der Blick bleibt im Inneren
Seelen-Reinigung
Eintauchen in die Stadt
Schönheit tanken
Ungreifbar
Aber nah
Schlief ich?
Kam Ruhe?
Kam Trost?
Nein
Ich schlief nur
Ich schlief
Dem Gestern verbunden
Am Heute vorbei
Und morgen?
Vergiss das Gestern
Sei heute
Werde morgen
Abgestorbene Blätter
Tritt drauf
Sie sind Dünger
für Neues
Durch enge Pforten
zu gemeinsamen Orten
gelandet bin ich
in meinen Worten
Mein Vogel ist erschöpft
Dann fliegt er eben
nicht mehr
er trippelt
aber er singt
War kein Dauern
Sei kein Trauern
und kein Bedauern
Sag mir nichts mehr
in der Nacht
Ich möchte dir zuhören
bei Tag
Beim Wandern
den andern
nicht aus dem Weg gehen
aber auch nicht im Weg stehen
Niemandem
den Weg verstellen
Platz lassen
Hat es gerufen?
Die Stufen hinauf
zuversichtlich
ins Vielleicht
Die Tür ist zu
aber das Fenster ist offen
Licht kann herein
Ruhe kehrt ein
in meine Worte
an der Pforte zum Neuen
will ich mich erfreuen
an wiedergeborenem Sein
Libellenflügel-Leben/-Lieben
Vergänglich alles
Dennoch schön
(Ich will es so)
Verschlossene Welt
Gefahr an allen Ecken
Ein Kind hat geweint
Vollbracht ist die Nacht
Die Kälte ist geschmolzen
Ein Kind hat gelacht
DAS TRÄUMEN HAT ZU MIR GESAGT…
(ein Lied)
Es ist genug hör auf zu klagen
Du musst im Leben bleiben
Bejammre nicht mehr dein Versagen
Es ist nur Selbstbetrug
Lass dich nicht so verzagend gehen
Geh auf sie zu und greife zu
Nimm diesen Körper der sich bietet
Es ist kein Selbstbetrug
Lass dich doch endlich wieder treiben
Sei doch nicht immer alt und klug
Und such nicht nur in Büchern
Hör auf das Leben zu beschreiben
Die Wunden die das Leben dir schlug
Die müssen dir nicht ewig bleiben
Du hast verlernt zu schwärmen
Und dass die Haut auch duften kann
Was soll das ewige Sich-Härmen
Zeig deine Seele wieder her
Sei doch kein Feigling mehr
Zeig was dein Wollen noch kann
GETANZT (Lied)
Du hast getanzt
Mit deinem jungen Körper
Schön warst du anzusehn
Und viele Augen liebten dich
Du hast getanzt
In deiner Welt der Wörter
Schön warst du anzuhörn
Und viele Ohren liebten dich
Du hast getanzt
In deiner Welt der Wunde
Schwer war es dich so schwach zu sehn
Und viele Hände liebten dich
Du hast getanzt
In deiner letzten Stunde
Schwer war es dich so klein zu sehn
Und unsere Tränen liebten dich
Du hast getanzt
In deinem kurzen Leben
Du hast so viel gegeben
Und deine Menschen liebten dich
Du hast getanzt
Mit mir mit mir
Immer wieder zu mir zurück
Denn du liebtest mich
Du hast getanzt
In unserm zu kurzen Leben
Mir bleiben so viele Wege
Und ich liebe dich
SCHERBEN (EIN SONG)
Dunkel ist es, dunkel und so kalt
nirgends Ruhe find ich oder Halt
rastlos durch die Straßen streif ich
immer suchend nirgends bleib ich stehn
Ich suche und ich finde keine Augen
in die ich sehe die in mich sehen
keine Augen die was taugen
die nicht gleich im Licht vergehen
Augen um mich zu spiegeln darin
aber die Spiegel sind lang schon dahin
zerbrochen von dir oder mir
zerstört von dir oder mir
Wer zeigt mir den Weg
Über die Scherben den Steg
Fliegen weit weg kann ich nicht
abheben von mir kann ich nicht
ich versuche und falle
stets auf die Scherben meiner Flügel zurück
es tut weh auf den Scherben zu stehen
aber ich bin stolz trotz der Scherben zu stehen
Muss das so sein
Kein anderer Weg
Auf Scherben zu steigen
Der Welt zu zeigen
Dass ich lebe
Tut gut aber weh
Ich such meinen Weg
Irgendwo ist mein Weg
Ich find meinen Weg
Über die Scherben den Steg
Splitter 2
Misstrauend vertrauen
fragend bleiben
Eisboden
tragend und schmelzend
Verbranntes
Zerstörtes
Feuer des Neuen
erloschen
Fröstelnd
Auch in der Kälte
ist Leben
Lass.
Lass es sein.
Lass den See zufrieren.
Die Fische sind tot.
Geh weg.
Du lebst
Merkst du es nicht?
Die Gitterstäbe deines Kerkers
schmelzen
in deiner Wärme
die du hast
nur du hast
Jetzt ist es so weit
Du bist bereit
das Schwert herauszuziehen
das klammernde Eisen
fällt ab
Und du steigst
Die Hoffnung
hat sich aufgelöst
Die lang beweinte Wunde
hat sich geschlossen
Neues wartet
Verschlossene Tür
Dann soll es so sein
Tritt sie nicht ein
Zieh deinen Stiefel zurück
Dreh deinen Kopf
Blick ins Offene
Das Lächeln ist kalt
Erfrier nicht in ihm
Vertrau auf dich
Verbau dich nicht
Du bist nicht alt
Lass es tot sein
Lass Totsein
ein Gebot sein
Lass Nacht sein
Lass Schlaf sein
und morgen
Mit der Seele atmen
ausatmen
Abgestorbenes herausatmen
innehalten
befreit
wieder befreit
und nun wieder einatmen
Das Blühen kommt
und poltert
und duftet
Neue Sehnsucht?
Eiszapfenpfeile
zielen auf Weiches
die Kälte
wird nicht siegen
Leben erregender Regen
ermutigte die Blume
wurde zu Hagel
zerstörte Blüte und Blatt
nicht die Wurzel
Ein Zuversichts-Morgen
nach Regen-Nacht
frisch gewaschene Sonne
frisch gewaschene Seele
Lass Blumen wachsen
auch auf Gräbern
ist Leben
Und in Gräbern?
Lass es nicht kälter werden
Lass das Erfrieren nicht siegen
Lass Winter nicht sein
Morgen ist Frühling
Splitter 1
hören und reden
anhören und anreden
zuhören und zureden
Grenzen?
Ja
Um zu wissen
(zu spüren)
was ich überschreite
Morgen – gutes Wort
vielversprechend
Anfang
ausgeruht
jetzt
Licht
morgen – böses Wort
hinausschiebend
Wartezeit
müde
nicht jetzt
Dunkelheit
morgen – starkes Wort
versprechend (viel?)
Hoffnung
aufwachen
bald
Sonnenaufgang
Eremiten-Leben:
kein Außen
Eremiten-Denken:
nur innen
In die Tiefe gehen
(wohin?)
Schlummerndes aufspüren
(was?)
Es heraufholen
zum Glänzen bringen
ohne Stein der Weisen
Naturgold
Eintauchen
in Erinnerungen
schwimmen darin
aber in Bewegung bleiben
wieder heraussteigen
weitergehen
Vorbei
Nimm dem Wort
die Traurigkeit
Gestern-Trauer
Morgen-Angst
Heute-Freude
und dann wieder
Gestern-Freude
Morgen-Freude
Stummheit der Nacht
ihre Schwärze
grenzenlos
und begrenzend
Seelen-Nachtvögel
fliegen auf
leben
erheben mich
Dieser Augenblick
unvergänglich jetzt
dauernd andauernd in mir
wie du
Eine Tür geschlossen
nicht verschlossen
(Endgültiges vermeiden)
offen lassen
offen bleiben
Die Welt in mir
zittert
wartet auf den nächsten
Anfall
wartet
erwartet ihn nicht
Mit geschlossenen Augen
sehen
nach innen
verstehen
Misstrauend vertrauen
fragend bleiben
Eisboden
tragend und schmelzend