Block-Sätze 2

Mein Misstrauen gegenüber Sätzen wie: „Empfangen ist eine Kraft, die alles transformiert.“ Bitte? Das heißt ganz einfach: „Ich freue mich, wenn ich was kriege.“ Ja eh. Jede/r, glaube ich, freut sich über Geschenke, Gaben. Muss ja nicht  gleich eine Botschaft sein. Und: Gegenteilig formuliert klingt es genauso erleuchtet: „GEBEN ist eine Kraft, die alles (auch einsetzbar: mich/dich/die Welt…) transformiert. Vorsicht vor Seelen-Belehrungen!

 

Man muss unglücklich sein, um schreiben zu können? Man muss leiden? Einer Sache/einem Menschen nachweinen? Muss man? Also: Ich. Nicht.

 

Zwischendurch mich mal wieder freuen, dass es mir gut geht (jetzt). Morgen ist es vielleicht anders. Dann ärgere ich mich, dass ich mich am Vortag nicht gefreut habe, worüber auch immer, etwas/jemanden genossen habe und sehne das Gutgehen herbei. Nicht herbeisehen – herbeileben. (Was das jetzt eine Seelen-Belehrung? Nein, eine Empfehlung.)

 

Nein, man muss nicht alles verstehen. (Wäre auch sehr anstrengend, glaube ich.) Manches/manche/n nur anschauen und Ja sagen. Oder Nein. Aber nicht immer Warum. (Nicht immer. Manchmal schon.)

 

Paradies? Gibt es nicht. Aber so wäre es für mich, so könnte ich es mir vorstellen: alle Bücher der Welt aller Zeiten der ganzen Welt vor mir, bei mir. Und ich könnte ewig lesen. Das wäre eine ertragbare Ewigkeit.

 

Besuch einer lieben Freundin, einer Freundin seit vielen Jahren. Keine täglichen Begegnungen mehr, eigene Wege haben sich aufgetan für sie und auch für mich. Und diese kreuzen sich dennoch immer wieder. Und wir führen die gleichen Gespräche (nicht mehr dieselben).  Erinnerungen ja, aber auch Gedanken nach vorne.

 

„Mein Bauchgefühl“ – auch so ein Unwort. Da fühlt man etwas, kann es nicht genau erklären, als siedelt man es im Bauch an. Warum nicht im linken Fuß? Der muss ja auch oft herhalten, wenn etwas unaufspürbar in einem rumort. Denken, nachdenken (Hirn) hilft. 

 

„Ehrgeiz“ – Geiz ist nicht schön (Sünde für viele) und Ehre? Naja, in ihrem Namen sind schon viele gestorben und sterben noch immer. Und die Verbindung dieser beiden Begriffe soll etwas Gutes sein? Niemals! Das heißt doch: um Belobigung kämpfen (!) und vom Gewinn nichts abgeben. Aber ich weiß ja, meistens ist mit Ehrgeiz einfach nur persönliche Anstrengung gemeint, Energie-Ausschüttung, und das ist unbestritten etwas Schönes,

 

„Selbstmitleid“ – wie überflüssig, wie widersprüchlich. Mit-Leid zu empfinden ist nur mit einem (oder mehreren Menschen möglich. Mit mir selbst? Ganz ehrlich: Das ist nur ein Gejammere. Darf ja schon mal sein, aber dann muss die Selbst-Beweinung wieder aufhören und einer Selbst-Bestärkung weichen!

 

„Hätte, wäre, wenn“ – der Menschen liebste Wörter. Nur Wörter, keine Worte. Lassen keinen Weg für Zukunfts-Möglichkeiten erkennen, weisen nur auf Vergangenes hin, entgangene Möglichkeiten werden beklagt, ihre Unwiederbringlichkeit. 
 „Hat, ist, wird, dann“ – Worte des Ausblicks, erweitert um eines: wird. Wort der Zukunft.

 

„Wieder meine Ziele erreicht!“, flötet sie in der TV-Werbung. (Es geht ums Abnehmen.) Wahnsinn! Und gleich mehrere! Und doch hat sie gar nichts erreicht, ist es ja für sie nur ein Etappensieg, ,orgen wieder neue Ziele. Was für ein sinnloses Bemühen! Dann lieber gar kein Ziel.

 

„Irgendwie“ – dieses Wort, vor allem wenn es in der Dichtung, in Romanen auftritt, gibt sich so bedeutungsschwanger und sagt gar nichts aus. „Ich liebe dich irgendwie noch immer.“ Wie jetzt? „Irgendwie gefällt mir das.“ Wohl zu faul oder zu unfähig, es näher zu beschreiben, dieses Gefühl? „Irgendwie“ – vergleichbar mit „eigentlich“ im täglichen Sprechen: „Wie heißt du eigentlich?“

 

Sehnsucht nach früher? Wieder jung sein? Nostalgie? Also ich bin ganz zufrieden mit meinem aktuellen Ich. Außerdem lässt sich nichts zurückjammern. (Und beim Blick in den Spiegel kann man ja die Brille abnehmen.)

 

Altersweisheit? Gibt es nicht. Man hat nur schon viele (auch unangenehme) Situationen erlebt und erkennt sie (kann sie erkennen), wenn sie wiederkehren, und weicht ihnen aus. Bei neuen unangenehmen Situationen gelingt das nicht. Also was ist jetzt mit Weisheit?

 

Noch einmal Altersweisheit: Mit der Zeit kommt man drauf, wie viele Dinge (Menschen) man gar nicht braucht (ohne ihnen – den Dingen, den Menschen – ihren Wert abzusprechen). Da macht man halt dann Abstriche. Mit Weisheit hat das nichts zu tun. Nur mit Vernunft. Besser: Ordnungsliebe.

 

An seine Grenzen gehen: Sollte besser heißen: In Richtung seiner Grenzen gehen. Ich weiß nicht, woe die sind. Spürt man das?

 

Block-Sätze 1 

Muss jeder Tag ein geglückter sein? Darf einer auch einmal verbummelt werden? Alles darf sein. Wohlfühlen musst du dich dabei. Dann ist der Tag ja doch wieder ein geglückter.

 

Nachdenken über einen verschwundenen Menschen. Was ist da passiert? Warum das Entferntsein? War da eine Verletzung, ein Zuviel-Sein? Als wir uns das letzte Mal sahen, war da keine Trübung. Dann einfach weg, neue Wege, verblasste Spur. Und dann: Bin auch ich für andere so ein Verschwundener?

 

Was man sich zulassen darf: traurig darüber sein, dass manches nicht mehr so ist, wie es mal war, wie es mal schön war, dass manches verschwunden ist aus meinem Leben, dass manches weg ist, endgültig, unwiederbringlich. Nostalgie. Darüber darf man traurig sein. Aber nicht ewig.

 

Wenn mir etwas/jemand Kummer bereitet, ich trauern muss um etwas/jemanden, dann denke ich daran/an sie/an ihn mit einer fröhlichen, einer unbeschwerten Erinnerung; das wiederhole ich bei jedem Schmerzanfall. Manchmal hilft es.

 

Eine der dümmsten menschlichen Verhaltensweisen: Beleidigtsein. „Schau mich an und sieh, wie ich dich nicht anschaue“, „rede mich an, damit ich dich deutlicher anschweigen kann“, „bemerke mich und erkenne, wie ich dir ganz deutlich zu verstehen gebe, ich bemerke dich nicht.“ Mit Beleidigtein bewirke ich so viel wie ein umfallendes Fahrrad; nicht nur eines in Peking: auch neben mir kann es stehen und fallen. Nicht jeder Flügelschlag eines Schmetterlings bewirkt einen Erdrutsch. Mancher Schmetterling flattert einfach nur.

 

In einem Roman über Lou Andreas-Salomé sagt diese: „Erotik und Treue passen nicht zusammen.“ Mag schon sein. Aber Liebe kann auch ohne den beiden auskommen.

 

Wie wohl mir das tut, mein Leben zu schreiben; nein, das ist kein Fehler, ich meine nicht „be-schreiben“. Ich schreibe mein Leben. Ich zeichne es. Ich entwerfe es. Schreiben ist mir kein Abschließen, es ist ein Anfangen.

 

Man muss Fahrräder nicht mögen. Dieses schweißtreibende Gestrampel, dieses sturzprovozierende Gewackel, Rücksicht (von Autofahrern und Fußgängern) fordernde Heranschleichen – man muss es nicht mögen. Ich mag es nicht.

 

„Das hast du nicht verdient.“ Eigentlich ein blöder Satz (auch uneigentlich): nicht verdient – aufgrund welchen Rechtes, welcher Voraussetzung“ Wer hat das zu bestimmen? Und: Wer zahlt mir einen Verdienst-Lohn?